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PKV

Kostenfalle vorhersehbar

Beim Kassenwechsel droht die Kostenfalle, so das Handelsblatt in seiner Ausgabe vom 06.10.2010, was Gutverdiener nicht veranlassen sollte, ab 2011 sofort zur privaten Krankenversicherung zu wechseln, obwohl ihnen dieser  Wechsel gesetzlich ermöglicht wird mit dem Ziel,  die GKV zu schwächen.  Diese Gutverdiener(über 4000 Euro mtl.)  sollten die Kosten und die Leistungen  genau vergleichen. Denn was der private Versicherer für Verwaltung und Verkauf von Privatpolicen in erheblicher Höhe ausgibt, fehlt für Leistungen oder Altersrückstellungen.


FRANKFURT. Die privaten Krankenversicherer (PKV) müssen hohe Summen investieren, um neue Kunden zu gewinnen. Das belegt ein Kostenvergleich des Handelsblatts, in dem die Top-20-Versicherer unter die Lupe genommen wurden. Diese teilen mehr als 90 Prozent des Marktes unter sich auf. Die Untersuchung zeigt, dass die Versicherer im vergangenen Jahr für jeden der rund 167 000 vollversicherten Neukunden rund 11 000 Euro an Vertriebskosten eingesetzt haben. Das ist eine stattliche Summe – entspricht sie doch dem Vielfachen des Jahresbeitrags eines Privatversicherten.

Bezahlt wird dies am Ende von den Kunden selbst. Bei Neukunden fließen die ersten Prämien voll in die Vertriebskosten und nicht in den Versicherungsschutz. Die Altkunden erhalten zum Teil Halteprämien, damit sie nicht zur Konkurrenz abwandern. Die Konzerne argumentieren dabei so: Der Wettbewerb untereinander ist hoch, Abwerbeversuche sind in der PKV an der Tagesordnung. Jeder Krankenversicherer sei daher gezwungen, auch in die Bestandskunden zu „investieren“, damit diese bleiben.

Gesamte Kosten
Unternehmen gesamte Kosten
in Mio. Euro
Quote
Hanse-Merkur 155,88 25,38%
Dt. Ring 135,25 25,00%
Central 442,89 22,85%
Inter 134,77 20,90%
Union 103,96 18,68%
DKV 680,17 18,02%
Gothaer 133,48 17,74%
Signal 347,54 17,06%
Continentale 222,13 16,59%
Hallesche 158,11 16,52%
Victoria 121,76 16,47%
Bay. Beamten 219,81 16,06%
Universa 72,94 15,63%
Barmenia 205,44 15,31%

Viele Kunden wissen das nicht. Denn die Kosten eines Versicherers spielen beim Vertragsabschluss selten eine Rolle. Private Krankenversicherungen verkaufen Produkte, die in der Regel über Vertreter vermittelt werden. Deren wichtigste Verkaufsargumente sind dabei Ersparnisse bei der Prämie und höhere Leistungen der PKV. Ohne Frage seien dies wichtige Punkte, sagen Kenner wie der PKV-Gutachter Peter Schramm. Sehr wichtig sei aber auch ein Vergleich der Kosten. Denn was der Versicherer für Verwaltung und Verkauf von Privatpolicen ausgibt, fehlt anderswo für Leistungen oder Altersrückstellungen. Denn das Prinzip der privaten Krankenversicherung ist einfach: Ausgegeben werden kann nur, was die Kunden vorher durch die Beiträge gezahlt haben. Und wenn Geld fehlt, steigen eben die Beiträge.

 

 

Die hohen Kosten für die Kundengewinnung werden bereits kritisch hinterfragt. Für Branchenkenner wie Marc Surminski vom Fachblatt „Zeitschrift für Versicherungswesen“ ist genau dies ein Kernproblem der PKV. Die privaten Unternehmen müssten immer mehr Geld in Neu- und Altkunden investieren. An diesem Prinzip ändert sich nach Einschätzung von Experten auch nichts, wenn es wieder einfacher wird, in die PKV zu wechseln,was die Regierung im Rahmen ihrer Gesundheitsreform plant.

Denn davon profitieren in erster Linie die Vertreter: Für sie wird es leichter, gesunde und gut verdienende Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen für die privaten Versicherer zu gewinnen.

Die Branchenzahlen bestätigen den Trend: 2,3 Mrd. Euro gaben allein die Top-20-Versicherer im vergangenen Jahr für den Vertrieb aus. Aus Sicht der Unternehmen sind das notwendige Ausgaben, um weiter zu wachsen. Manche in der Branche sind gezwungen, Neukunden zu gewinnen, weil sie viele ältere und häufig kranke Mitglieder haben. Je mehr junge Menschen solch ein Versicherer nun findet, umso besser für ihn und auch die Altkunden. Denn junge Leute sind seltener krank und kosten daher weniger als ältere Menschen.

Anmerkung:

Vertriebskosten und  Verwaltungskosten der PKV sind bis viermal so hoch  wie bei der gesetzlichen Krankenversicherung(GKV), wie der Tabelle entnommen werden kann.  Aber nicht nur das: Die Leistungen der PKV sind mit zunehmendem Alter nicht oder kaum noch zu bezahlen; es sei denn, es wird auf Leistungen verzichtet, die an sich erforderlich sind.

Ein Wechsel von der GKV zur PKV rechnet sich deswegen offensichtlich nicht, auch wenn zunächst niedrigere Beiträge gezahlt werden müssen. Wer sich dennoch für einen Wechsel zur PKV entschieden hat, kann danach nicht mehr zur GKV zurückkehren. Ein solcher Wechsel ist daher bisher unwiderruflich.

Beiträge der PKV steigen 2011 ungebremst weiter, aus: SPIEGEL

Die Info des HA, 29.12.2010, belegt den ungebremsten Beitragsanstieg:

Berlin. Privatversicherte müssen sich zum Jahreswechsel auf deutlich höhere Beitragssteigerungen einstellen als die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen. Nach einer Berechnung der Analysefirma Morgen & Morgen für die Zeitung “ Die Welt“ steigen die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) zum Jahreswechsel im Durchschnitt um sieben Prozent an. Bei gesetzlichen Krankenkassen sind es nur vier Prozent.

Eine Steigerung von sieben Prozent beim Neugeschäft sei „die bislang höchste ermittelte jährliche Branchensteigerung und verheißt für die Zukunft nichts Gutes“, sagte Zsohar. Die PKV müsse ihre Kosten endlich in den Griff bekommen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Steigerung der Beiträge über die vergangenen zehn Jahre betrug knapp fünf Prozent.

Eine Steigerung von sieben Prozent beim Neugeschäft sei „die bislang höchste ermittelte jährliche Branchensteigerung und verheißt für die Zukunft nichts Gutes“. Die PKV müsse ihre Kosten endlich in den Griff bekommen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Steigerung der Beiträge über die vergangenen zehn Jahre betrug knapp fünf Prozent.

Haben auch Sie eine solche eMail erhalten? Üble Bauernfängerei ist dafür eine freundliche Umschreibung. Alle Behauptungen sind falsch außer der, dass der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenkassen ab 2011 auf 15,5%  steigt und trotzdem deutlich hinter den Beitragssteigerungen der PKV zurückbleibt:

Sehr geehrte(r) Versicherte(r),

Der Bundestag hat die Reform der Krankenkassen beschlossen. Die Gesundheitsreform 2011 kommt. Ihre Krankenkasse wird teurer und die Zusatzbeiträge steigen.Trotz der vom Bund zugesagten Steuerzuschüsse in Milliardenhöhe ist die finanzielle Lage der gesetzlichen Kassen kritisch. Ihre Leistungen werden gekürzt und Sie werden immer mehr zur Kasse gebeten, das muss nicht sein!

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Eine Antwort zu “PKV”


  1. Demo

    Ist es nicht schön, dass die Hanse-Merkur Partnerunternehmen in der Vermittlung von Zusatzversicherungen bei einer der gesetzlich Krankenkassen ist? Mit ihrem Spitzenplatz in den Verwaltungskosten wird sie sicherlich ein gutes Beispiel für ihren gesetzlichen Partner sein. Danke für die Aufklärung der Leser ihres Blogs.

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