RV-Gemeinschaft

Politik und Gesellschaft

Katzenleben

Liebe und Tod

Es war einmal ein Kater, der war der unbestrittene Herrscher seines Lebensraums im Hinterhof der Mansteinstraße in Hamburg. Er wurde als kleines Knäuel von meiner damaligen Verlobten in die Wohnung gebracht. Ich wollte keine Katze haben und habe mich entsprechend verhalten. Meine Verlobte war verunsichert. Sie fragte Freunde um Rat, die ihr versicherten, daß ich mich schon bald um die Katze kümmern würde. Genauso kam es. Aber nicht nur das; der kleine Kater hatte mich als seinen Menschen ausgesucht.

Er war unabhängig und anhänglich. Er vertraute mir vorbehaltlos. Ein solches Vertrauen ist Liebe. Ja, Liebe. Oder glauben Sie, Katzen hätten keine Gefühle?

Wir haben meinen Kater ausschließlich mit Trockenfutter versorgt, nicht wissend, daß dieses Futter jedenfalls in den siebziger Jahren gesundheitsschädigend war, nämlich die Harnleiter verengen und schließen kann. Tatsächlich war es mit der Zeit notwendig, einen Tierarzt, in diesem Fall eine Tierärztin, aufzusuchen, die Tabletten verschrieben hat. Da eine Katze kaum eine Tablette in die Pfote nimmt, sie runterschluckt und anschließend mit Wasser nachspült, mußten wir meine Katze gegen ihren Widerstand zwingen, die Tabletten zu schlucken. Eine Tortur und völlig unsinnig, hätte uns die Tierärztin gesagt, daß der Kater kein Trockenfutter verträgt. Eine tolle Tierärztin.

Also haben wir den Kater und uns gequält.

Vergebens. Eines Tages, mein Kater war gerade drei Jahre alt, war er nicht zu finden. Wir haben gerufen, Nachbarn gefragt, gesucht. Schließlich fanden wir ihn im Nachbargrundstück unter einer Brombeerhecke. Er hatte sich zum Sterben hingelegt. Ich nahm ihn und trug ihn zur Wohnung. Als ich sie mit ihm betrat, hob er den Kopf, sah sich um, seufzte und starb. Er war zu Hause. Für immer.

Kurz darauf haben meine Verlobte und ich uns getrennt. Es war die gemeinsame Liebe zum Kater, nicht mehr die Liebe zueinander, die uns zusammenhielt.

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